Klosterflucht von Nonnen und Mönchen
Mit Dr. Milena Svec war am vergangenen Sonntag eine Expertin in Sachen Mittelaltergeschichte zu Gast im Ortsmuseum.
Am Museumssonntag vom 1. März hielt Milena Svec im Ortsmuseum einen Vortrag über die Klosterflucht von Nonnen und Mönchen im Mittelalter. Ein Thema, zu dem sie geforscht und ihre Dissertation verfasst hat. Anschaulich informierte sie einerseits über die grösseren Zusammenhänge und anhand von Einzelfällen, andererseits über die Quellen zum Thema, die Gründe für die Klosterflucht und deren rechtliche Konsequenzen. Im Rahmen ihrer Arbeit besuchte sie unter anderem das vatikanische Geheimarchiv, aber auch lokale Archive in der Schweiz, Deutschland und Österreichs und untersuchte einen Quellenkorpus von ca. 1000 Bittschriften deutschsprachiger Ordensangehöriger aus den Kirchenprovinzen Mitteleuropas, aus der Zeit von 1430 bis ca. 1530. An der Kurie sind nur die durch päpstlichen Entscheid gutgeheissenen Bittschriften dokumentiert. In wie vielen Fällen Bittschriften abgelehnt oder gar nicht erst eingereicht wurden, ist nicht mehr erforschbar. Die Gründe für die Flucht waren sehr vielfältig und reichten von der Flucht vor strengen Klosterregeln bis hin zum Klostereintritt (Profess) unter Zwang. Je nach den konkreten Umständen war die Flucht mehr oder weniger gravierend – erfolgte die Flucht über die Mauer oder durch das Tor? Zogen die Flüchtlinge das Ordensgewand aus oder nicht?. Entlaufene Mönche und Nonnen waren durch ihre Flucht exkommuniziert. Der Kirchenbann war sicher Motiv für manche Bittschrift an den Papst. In vielen Fällen war es auch so, dass Geflüchtete vielfach von ihren weltlichen Verwandten nicht mehr aufgenommen wurden. Manchmal war das Anliegen auch ein legaler Klosterwechsel und – gerade bei Zwang zur Profess – der Wunsch, das Kloster verlassen zu dürfen, um ein weltliches Leben mit einer Familie führen zu können. Letzteres belegte Milena Svec anhand des Falles von Magdalena Payer von Hagenwil aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde im Alter von sieben Jahren im Augustinerchorfrauenstift Münsterlingen aufgenommen und im Alter von 15 Jahren unter üblen Drohungen zur Profess gezwungen, weil ihr Vater ihren Bruder erbrechtlich bevorzugen wollte – mit dem Klostereintritt fand ein symbolischer Tod statt und der Erbanspruch entfiel. Es bedurfte allerdings dreier Bittschriften und zusätzlicher Abklärungen durch das Ortsbistum, bis sie ihr Ziel erreichte und von ihrem Gelübde befreit wurde.
Die Erzählstunde war im Flug vorüber, dank des spannenden Vortrags zu einem nicht gerade alltäglichen Thema.

